Als Herzrhythmusstörung bezeichnet man eine unregelmäßige, ungewöhlich langsame oder schnelle Schlagfolge des Herzens.
Erregungsleitung

Erregungsleitungssystem

(1) Sinusknoten
(2) AV-Knoten
(3) Hissches Bündel
(4) Rechter Tawara-Schenkel
(5) Linker Tawara-Schenkel
(6) Purkinje Fasern


EKG
Normales EKG

..... Herzrhythmusstörungen

- Grundlagen -

Das gesunde Herz schlägt etwa 60 bis 100mal in der Minute. Ist der Herzschlag unregelmäßig, spricht man von einer "Arrhythmie", bei einer dauerhaft zu langsamen Schlagfolge (Herzfrequenz) unter 50 bis 60 Schlägen/Minute von "Bradykardie" und einer zu schnellen Schlagfolge mit über 100 Schlägen/Minute von "Tachykardie".

Ursachen sind meist Störungen im Erregungsleitungssystem, Erkrankungen der Herzkranzgefäße oder angeborene Anomalien der Herzstruktur.
Neben diesen Erkrankungen können aber auch Stress, Koffein, Nikotin oder Medikamente zu verübergehenden Herzrhythmusstörungen führen.

Eine verlangsamte Herzfrequenz in Ruhe (Schlaf) oder eine beschleunigte Frequenz bei Belastung ist normal.

Diagnostiziert werden die Herzrhythmusstörungen mit dem Elektrokardiogramm (EKG). Hierbei spielt vor allem das "Langzeit-EKG" eine wichtige Rolle, bei dem der Patient zur Aufzeichnung des Herzrhythmus über meist 24 Stunden ein kleines EGK-Gerät (etwa von der Größe eines Taschenbuchs) trägt.

Sinus-Knotem
- Tachyarrhythmien -

Sinus-Tachykardie
Bei der sogenannten "Sinus-Tachykardie" ist der natürliche Schrittmacher des Herzens, der "Sinus-Knoten" (1) Auslöser der erhöhten Herzfrequenz (100-160/Min).
Das EKG ist hierbei bis auf die Frequenz normal.
Die Ursachen sind vielfältig. Häufig sind Stress, Fieber, Schmerzen, Angst, Blutarmut (Anämie) oder Schildrüsenerkrankungen (Hyperthyreose) der Auslöser.
Die Therapie besteht meist im Ausschalten der Ursachen.

Vorhof
Vorhofflattern

Vorhofflattern

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern
Vorhofflattern und Vorhofflimmern wird durch eine kreisende Erregung im Vorhof (7) ausgelöst.
Bei Vorhofflattern wird dort eine Frequenz von ca. 300/Min erreicht, und nur jede 2. oder 3. Erregung in die Kammern weitergeleitet. Die Kammern schlagen also langsamer als der Vorhof und zudem unregelmäßig.
Beim Vorhofflimmern werden Vorhoffrequenzen von ca. 400-600/Min erreicht.
Beides kann subjektiv unbemerkt bleiben, oder sich in einer verminderten Leistungsfähigkeit niederschlagen. Manche Patienen "spüren" auch den unregelmäßigen Herzschlag.

Als Ursachen gelten u.a. Erkrankungen der Mitralklappe, koronare Herzkrankheit, Herzmuskelerkrankungen, toxische Einflüsse (z.B. Alkohol) oder Schilddrüsenerkrankungen (Hyperthyreose).
Therapeutisch gibt es neben der medikamentösen Behandlung die Möglichkeit mittels Elekroschocks (Kardioversion) während einer Kurznarkose die Rhythmusstörungen zu beseitigen oder mit geringen Strömen den Vorhof mit einer Elektrode zu stimmulieren (hierzu ist keine Narkose notwendig). Die Vorgehensweise bei Letzteren ist ähnlich einem
Herzkatheter, nur das anstelle eines Katheters eine Elektrode eingeführt wird.

Herzkammer
Kammertachykardie

Ventrikuläre Tachykardie
Eine Kammertachykardie (ventrikuläre Tachykardie) ist eine rasche Folge von ventrikulären
Extrasystolen deren Erregung ihren Ursprung in der Herzkammer (Ventrikel) (8) hat. Mit einer Herzfrequenz von über 140/min werden schnelle aber wenig effekive Herzmuskelkontraktionen ausgelöst, was sich in Schwindel, Übelkeit oder sogar Ohnmacht äussert.
Die ventrikuläre Tachykardie kann in "Kammerflattern" oder "Kammerflimmern" (siehe nächsten Punkt) übergehen und ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Ursachen sind u.a. gehäuft auftretende einzelne Extrasystolen, die in eine ventrikuläre Tachykardie übergehen, oder ein geschädigter Herzmuskel aufgrund eines Herzinfarktes.
Therapie: Die ventrikuläre Tachykardie muß medikamentös oder/und mittels Elektroschocks (Kardioversion) beseitigt werden.

Kammerflattern

Kammerflimmern


Kammerflattern und das darauf meist folgende Kammerflimmern ist ein unkoordiniertes Zucken des Herzmuskels ohne jegliche Förderleistung und kommt einem Herztillstand gleich.
Ohne Gegenmaßnahmen (Elektroschocks) endet beides binnen weniger Minuten tödlich.

Ursachen sind auch hier u.a. gehäuft auftretende einzelne Extrasystolen, eine ventrikuläre Tachykardie oder ein geschädigter Herzmuskel aufgrund eines Herzinfarktes.
Diese Rhythmusstörung ist in den meisten Fällen der Grund für den sogenannten "plötzlichen Herztod" bei oder nach einem Herzinfarkt.

- Bradyarrhythmien -

Sick-Sinus-Syndrom
("Kranker Sinusknoten")
Das Sinusknotensyndrom ist eine degenerative Erkrankung des Sinusknotens (1) (siehe auch
Erregungsleitungssystem) mit schnellen Wechseln zwischen Bradykardie (bis unter 40/min) und Tachykardie.

Symptomatisch für die Erkrankung sind u.a. Schwindel und plötzliche Ohnmachtsanfälle ("Synkopen")

Ursachen sind Dysfunktionen oder der Ausfall des Sinusknotens v.a. durch die koronare Herzkrankheit.
Therapie: Je nach Symptomatik Implantation eines Herzschrittmachers.

AV-Block
AV-Block
Unter einem AV-Block versteht man eine Überleistungsstörung der Erregung vom Vorhof zur Kammer am AV-Knoten (2) (siehe auch (
Erregungsleitungssystem).

Es werden 3 Grade des AV-Blocks unterschieden.
Grad I. Geringe Verzögerung der Überleitung. Meist Zufallsbefund im EKG.
Grad II. Nicht jede Erregung wird übergeleitet, sodass einzelne Herzaktionen ausfallen.
Grad III. Totaler Block zwischen Vorhöfen und Kammern, d.h. beide schlagen unabhängig voneinander. Für die Kammer springt das eigene Erregungszentrum des AV-Knotens oder Hisschen Bündels (3) ein. Die Herzfrequenz beträgt unter 50/min.

Der AV-Block Grad I bedarf nur in seltensten Fällen einer Behandlung. Bei Grad II ist eine Behandlung der Erkrankung von der Symptomatik abhängig. Ein AV-Block Grad III macht in den meisten Fällen eine Herzschrittmacherimplantation notwendig.

Schenkelblock
Der Schenkelblock ist eine Erregungsleitungsstörung in den "Tawara-Schenkeln" des
Erregungsleitungssystem.
Bei einer Störung im rechten Schenkel (4) spricht man von einem "Rechtsschenkelblock", im linken (5), vereinfacht ausgedrückt, von einem "Linksschenkelblock". Es können aber auch beide Schenkel gleichzeitig betroffen sein.

Ursache für einen Schenkelblock kann u.a. eine koronare Herzkrankheit oder ein angeborener Herzfehler sein.

Die Behandlung ist von der Lokalisation der Störung in den Schenkeln abhängig.





- Extrasystolen -

Extrasystolen sind durch, unabhängig vom "normalen" Erregungsleitungssystem gebildete, Impulse in Vorhof oder Kammer ausgelöste Herzaktionen ("Extraschläge").
Gelegentlich auftretende Extrasystolen sind auch beim gesunden Menschen anzutreffen. Viele können das gelegentliche "Stolpern" des Herzens sogar spüren.

Treten Extrasystolen gehäuft, und vor allem in der Herzkammer auf (ventrikuläre Extrasystolen), muss die Rhythmusstörung therapiert werden. Größte Gefahr bei vermehrt und zudem hintereinander auftretenden Extrasystolen (sogenannte "Salven") sind ernsthafte Folgen wie beispielsweise der Übergang in eine Kammertachykardie.

Die Liste der Ursachen für Extrasystolen ist lang. U.a. sind zu nennen: Herzinfarkt, koronare Herzkrankheit, Herzmuskelerkrankungen, Klappenerkrankungen, toxische Einflüsse (Medikamente, Alkohol) oder auch nur eine zu niedrige Kaliumkonzentration im Blut (z.B. aufgrund gravierender Flüssigkeitsverluste durch Durchfall oder ständigem Erbrechen).

Eine Behandlung der Rhythmusstörung kann medikamentös (sogenannte Antiarrhythmika) erfolgen.